Startseite / Depression und Burnout
Burnout bei Lehrern – wenn die Akkus sich nicht mehr aufladen
Das inzwischen weithin bekannte Burnout-Syndrom hat für viele Betroffene zunächst einen Vorteil: Es fällt ihnen leichter, darüber zu sprechen. Ausgebrannt zu sein klingt anders als psychisch krank. Schließlich hat nur derjenige gebrannt, der sich zuvor eingesetzt, engagiert und viel geleistet hat.
Und genau das trifft auf viele Lehrer zu, die zu uns kommen.
Sie waren engagiert, zuverlässig und häufig diejenigen, die noch etwas zusätzlich übernommen haben. Klassenfahrt, Schulveranstaltung, Projekte, Elterngespräche – immer dabei. Erste Warnsignale wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, ständige Müdigkeit oder körperliche Beschwerden wurden übergangen. Schließlich musste es weitergehen.
Wenn die Leistungsfähigkeit nachließ, wurde nicht weniger, sondern häufig noch mehr gearbeitet. Was früher leicht von der Hand ging, kostete plötzlich enorme Kraft. Also wurde noch mehr Kraft investiert – und damit die Erschöpfung weiter verstärkt.
Wenn Erholung nicht mehr richtig funktioniert
Irgendwann reicht das Wochenende nicht mehr aus. Auch die Ferien bringen nicht mehr die erhoffte Erholung.
Man schleppt sich von den Fasnachtsferien zu den Osterferien und von dort zu den Sommerferien: Dann kann ich endlich ausspannen. Doch kaum beginnt die Schule wieder, ist die Erschöpfung zurück.
Typische Beschwerden können unter anderem sein:
- Schlafstörungen und anhaltende Müdigkeit
- Reizbarkeit und innere Unruhe
- Konzentrationsprobleme und nachlassende Leistungsfähigkeit
- das Gefühl, ständig überfordert zu sein
- körperliche Beschwerden wie Tinnitus oder Verdauungsprobleme
- häufigere Infekte
- zunehmender Widerstand gegen den Schulalltag
- Rückzug von Kollegen, Schülern oder Eltern
- das Gefühl: Ich kann einfach nicht mehr.
Besonders belastend ist die Kombination, die viele Betroffene beschreiben: nach außen müde, erschöpft und kraftlos – innerlich gleichzeitig angespannt, nervös und getrieben.
Wenn aus Engagement nur noch Durchhalten wird
Gerade bei Lehrern kann die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Vorstellung vom Beruf und dem tatsächlichen Schulalltag eine erhebliche Belastung darstellen.
Schwierige Unterrichtssituationen, Konflikte mit Schülern oder Eltern, zunehmende organisatorische Anforderungen, fehlende Anerkennung und Probleme mit Kollegen oder der Schulleitung können sich über Jahre summieren.
Aus Freude am Beruf wird Anstrengung. Aus Engagement wird Durchhalten.
Man schaut häufiger auf die Uhr, freut sich nicht mehr auf den Unterricht, reagiert dünnhäutiger und braucht immer länger, um sich von einem Schultag zu erholen. Manche entwickeln regelrechte Fluchtgedanken: Ich möchte hier einfach nur noch raus.
Burnout oder Depression?
Die Grenze lässt sich nicht immer eindeutig ziehen. Burnout und Depression können ähnliche Beschwerden verursachen und auch gemeinsam auftreten. Eine verlässliche Diagnose gehört deshalb in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Ein Warnsignal ist insbesondere, wenn Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit oder Hoffnungslosigkeit nicht mehr hauptsächlich mit der Arbeit verbunden sind, sondern zunehmend auch andere Lebensbereiche erfassen.
Spätestens dann sollte die Situation nicht mehr als bloße Erschöpfung abgetan werden.
Und auch unabhängig von der Diagnose gilt: Wenn Schlaf, Erholung und Ferien nicht mehr ausreichen, um die eigene Kraft zurückzugewinnen, und der Schuldienst dauerhaft nur noch mit größter Anstrengung bewältigt werden kann, sollte man sich ernsthaft mit der eigenen gesundheitlichen Situation beschäftigen.
Wenn die Frage entsteht: Kann ich überhaupt noch zurück in den Schuldienst?
Irgendwann geht es für manche Lehrer nicht mehr nur um die Frage, wie sie die nächsten Wochen oder Monate überstehen. Es entsteht eine grundsätzlichere Frage:
Kann und will ich unter diesen gesundheitlichen Voraussetzungen überhaupt noch dauerhaft in den Schuldienst zurückkehren?
Wenn eine psychische Erkrankung zu längeren Fehlzeiten führt und eine dauerhafte Rückkehr in den Schuldienst zunehmend unrealistisch erscheint, kann auch das Thema Dienstunfähigkeit und Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen relevant werden.
Genau hier liegt unser Schwerpunkt. Wir begleiten Lehrer, die aus gesundheitlichen Gründen vor der Frage stehen, ob eine Zurruhesetzung wegen Dienstunfähigkeit für sie infrage kommt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich Unterstützung zu holen?
Sie müssen nicht warten, bis gar nichts mehr geht. Wenn Sie merken, dass Ihre gesundheitliche Belastung zunimmt und Sie nicht wissen, ob und wie lange Sie den Schuldienst noch bewältigen können, können wir in einem ersten Gespräch gemeinsam schauen, wo Sie stehen und ob wir Sie unterstützen können.
Telefon: 07751 – 5446|E-Mail: peter@zickenrott.de
Beratungszeiten: Montag bis Donnerstag 9.00 – 16.00 Uhr, Freitag 9.00 – 12.30 Uhr
Hilfe in akuten Krisen
Wenn Sie sich in einer akuten psychischen Krise befinden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, die nächste psychiatrische Notaufnahme oder die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 (kostenfrei, rund um die Uhr).